Wissenschaft und Praxis in der humanitären Hilfe. Einige Reflektionen.2020-02-27T16:09:46+01:00

Wissenschaft und Praxis in der humanitären Hilfe. Einige Reflektionen.

Während die Forschung gerade im Bereich der humanitären Hilfe versucht, praxisorientiert und angewandt zu sein, werden humanitäre Praktiker*innen angeregt, ihre Arbeit zunehmend zu theoretisieren und durch Monitoring, Analyse und Lernen zu verbessern und so Rechenschaftslegung und Effektivität zu erhöhen. Dabei findet allerdings selten ein Austausch statt. Um genau dem etwas entgegenzusetzen, fanden am 4. Februar 2020 Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus dem Bereich der humanitären Hilfe in den Räumlichkeiten des CHA zusammen.

Ausgangspunkt der Veranstaltung war die Veröffentlichung des Sonderhefts Humanitäre Hilfe und humanitäre Krisen der Zeitschrift Friedens-Warte, das die bislang wenig vernetzte Forschung zur humanitären Hilfe in Deutschland sichtbar machen will. Im Laufe der Veranstaltung wurden drei thematische Schwerpunkte – Lokalisierung, Politisierung und Friedensarbeit – erörtert, unterschiedliche Herangehensweisen beschrieben sowie Gemeinsamkeiten eruiert. Jeweils ein Paar, bestehend aus einer/m Wissenschaftler*in und einer/m Praktiker*in, führten einen Dialog über jeweils ein Schwerpunktthema.

Lokalisierung

Beim Themenschwerpunkt Lokalisierung diskutierte ein Tandem aus Lena Bledau, Referentin Fluthilfe Deutschland und Europa bei der Diakonie Katastrophenhilfe und Ole Hengelbrock, Referent für Grundsatzfragen bei Caritas international, die Idee der seit 2016 anhaltenden Lokalisierungsdebatte. Was heißt ‚lokal‘ überhaupt? Wie kann Hilfe besser, effektiver gemacht werden? Ist Lokalisierung nicht nur ein anderer Begriff für Risikotransfer?

Politisierung

Die Diskussionspartner*innen zum Thema Politisierung – Robert Lindner, Policy Advisor für Humanitäre Hilfe bei Oxfam Deutschland und Dr. Charlotte Dany, Geschäftsführerin der Friedensakademie Rheinland-Pfalz – veranschaulichten die Instrumentalisierung humanitärer Hilfe anhand von Beispielen aus dem Berufsalltag. Wie politisch ist humanitäre Hilfe? Können die humanitären Prinzipien immer eingehalten werden?

Friedensarbeit

Die Diskussionspartner*innen zum Thema Friedensarbeit – Fabian Böckler, stellvertretender Abteilungsleiter für internationale Zusammenarbeit bei Plan International und Kristina Roepstorff, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg und am CHA – diskutierten die Verknüpfung von humanitärer Hilfe und Friedensarbeit. Was heißt ‚Frieden‘? Wie kann und soll humanitäre Hilfe Friedensarbeit auf kommunaler Ebene stärken?

Ein vollständiges Protokoll der Veranstaltung steht hier zum Download bereit.


Eines der Mandate des CHA ist es, Brücken zwischen Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen in der humanitären Hilfe zu schlagen. Das CHA versteht sich weder als eine rein akademische Institution noch als eine Interessenvertretung humanitärer Organisationen gegenüber der Bundesregierung. Vielmehr verknüpft es internationale Diskussionen und die bisweilen isolierte Debatte zu humanitärer Hilfe in Deutschland.

Die Friedens-Warte ist die älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung. Ziel der Zeitschrift ist es, den fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen zu fördern und das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.